Nordkenia, Marsabit: 4. Training für Farmer
20.-22. August 2024 mit Iris (ca. 25 Teilnehmende, davon 2 Frauen)
“Und der Herr, Gott, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und zu behüten.”
Die Bibel — 1.Mose 2,15
Die Woche vor der Marsabitreise war ich noch sehr krank und matt. Irgendeine Infektion hatte mich erwischt. In der Nacht vor dem Abflug stürzte auch noch mein iPad ab und ich konnte mein Arbeitsmaterial für das Training nicht wieder herstellen. Ich flog also ohne Netz und doppelten Boden nach Kenia, ganz analog…
Auf der Reise von Nairobi nach Marsabit war genügend Zeit, um mich mit meinen mittlerweile 8 Mitarbeitern auszutauschen. Z.B. hatte einer von ihnen, der an der Küste von Kenia lebt, die Wasserreinigung mit Moringa nach dem letzten Training erfolgreich ausprobiert und in seiner Familie zur Regel gemacht. Dort sei das Wasser aus dem Fluss normalerweise rot. Durch Moringa klärten sie jetzt das Wasser und wuschen ihre Wäsche strahlend weiß. Chemische Wasserreiniger seien nicht mehr nötig und es könne viel Geld gespart werden.
Ein anderer berichtete, dass das FMNR – Programm nur sehr schleppend vorankomme, da es zu viele Diskussionen mit Einheimischen gäbe, die ihre Weideplätze nicht einschränken wollten. Ein anderer berichtete, dass die Teilnehmer vom letzten Jahr erfolgreich ihre Marsabit-Farmer-Gruppe installiert haben, die sich regelmäßig treffe, um sich gegenseitig zu unterstützen.
Wiedersehen in Marsabit. Ich finde eine Gruppe vor, die mich warmherzig willkommen heißt. Auch Vertreterinnen einer landwirtschaftlichen Fraueninitiative sind unter den Teilnehmenden. Insgesamt die Hälfte der Gruppe – neue Gesichter; Wir sind ca 25 Leute. Diesmal gehört jeden Tag ein Entdeckerbibelstudium zum Trainingsbeginn dazu. Wir wollen immer wieder Koran mit der Bibel vergleichen, aber es sieht für mich manchmal so aus, als würden auch die muslimischen Teilnehmer die Bibel öfter zitieren als den Koran. Und über die Bibel mehr nachdenken als über den Koran. Erstaunlich.
Wir reflektieren das letzte Jahr und wir teilen Erfolg und Niederlagen auf unseren Feldern. Ich lasse von der Gruppe die Inhalte des letzten Trainings zusammentragen. Spannend ist, dass es im letzten Oktober ein amerikanisches Farmerteam in Marsabit gewesen sei, welches über den perfekten Monokulturanbau von Mais bei bester chemischer Düngung und Pestizidverwendung trainiert habe.
Die Farmer von Marsabit hätten sich gewehrt und ihnen stattdessen die Vorteile von der kleinstrukturierten Arbeit mit Mischkultur und ohne chemische Dünger und Spritzmittel aufgezeigt. Ich bin sehr stolz auf meine kämpferischen Schüler und Schülerinnen, die sich nicht so einfach blenden lassen. Ich vertiefe noch einmal die alt bekannten Prinzipien.
Highlight: Herstellen von Weihrauchsalbe.
Die Einheimischen gewinnen Weihrauch in kristalliner Form aus dem Harz von Rinde. Der Gedanke, dass sie nicht mehr nur die rohen Produkte auf dem Markt verkaufen, sondern solche auch vielseitig weiterverarbeiten können, geht durch Köpfe und Hände. Manche fangen an vom eigenen Mikrobusiness zu träumen und wollen ihr Geld mit Salbenherstellung verdienen. Ein Imker erkennt den Mehrwert von Wachs, den er bisher achtlos weggeworfen hatte. Jetzt wittert er einen Markt für dieses schöne Nebenprodukt der Honigherstellung. Wachs als Grundstoffe für Salben.
Ansonsten besuchen wir zusammen verschiedene Farmen, pflanzen jede Menge Bäume und ich zeige wieder und wieder die Prinzipien von FMNR, sowie von Wasser- , Pflanzen- und Bodenmanagement. Wir hören von einem der Teilnehmer über dessen Versuche vom Einsatz unterschiedlicher Trockenheits-resilienter Grasmischungen und bestaunen seine selbstgebaute Handheupresse. Hochkreativ.
Zuletzt besuchen wir ein Stück Land, welches Lifeway-Global zum Kauf angeboten wurde. Es ist eine Gruppe von pensionierten Polizisten, die auch Interesse haben ihr Wissen an die jüngere Generation weiterzugeben. Sie wollen zu unseren Farmgruppen dazustossen.
So hoffe und bete ich nun für einen Zusammenschluss dieser drei Gruppen: Unser Zusammenschluss vom letzten Jahr, der mittlerweile ca. 30 Mitglieder zählt, die Frauengruppe und die berentete Polizei. Was für eine Mischung. Mit Geduld und gegenseitigem Respekt könnten sie Marsabit im Laufe der Zeit umkrempeln. Ich bin gespannt.
Wir wiederholen noch einmal den Moringatest, was diesmal aber ziemlich schief geht, weil wir nur unreife Samen zur Verfügung haben.
Schön ist, dass ich die Theorie des Heißen Kompostens mit ihnen durchgehen kann, und einer meiner Mitarbeiter ihnen im Oktober zur Vertiefung beibringt, heißen Kompost anzulegen. So bleibt es nicht bei einem einzelnen Training im Jahr, sondern in Gruppenarbeit wird das Gelernte immer wieder mit Herz und Hand vertieft.
Für Alte und Junge, Muslime und Christen bin ich jetzt „Mama Irrisch“. Wie ich an diesen Titel komme? Keine Ahnung…This is Africa…