Nordkenia, Marsabit: 3. Training für Farmer
20.-22. August 2024 mit Iris (ca. 25 Teilnehmende, davon 2 Frauen)
„Mein Volk geht zugrunde aus Mangel an Erkenntnis.„
– Die Bibel: Hosea 4,6
Dieses Mal sind ca. die Hälfte der Teilnehmenden schon bei einem früheren Training dabei gewesen. Sie kommen, um ihr Verständnis zu vertiefen und um mit der gewonnen Erfahrung aus dem letzten Anbaujahr die Expertise der ganzen Gruppe zu heben. Und sie kommen, weil sie die Lerngemeinschaft schätzen.
Diesmal sind verantwortliche Älteste der Stadt als neue Teilnehmer mit dabei. Es sind muslimische Geistliche, erfahrene Farmer mit großen Ländereien, die Landwirtschaft bisher konventionell betrieben haben. Andere kommen als abgesandte Mitarbeiter eines Farmerzusammenschlusses. Wieder sind meine Freunde von Liveway-Misson als unterstützendes Team mit mir: Missionare, DMM-Leiter aus verschiedensten Teilen Kenias, erfahrene Farmer in ihrer Klimazone.
Wir erarbeiten gemeinsam eine Mini-Enzyklopädie. Sie ist eine Weiterführung der Pflanzenliste einheimischer Pflanzen, die wir im Vorjahr zusammengetragen hatten. Es werden gemeinsam ca. 80 Pflanzen gelistet, bestimmt und katalogisiert, inklusive der Wirkung und Anwendung von Wurzeln, Blattwerk, Blüten und Früchten der einzelnen Pflanzen.
Wir fragen:
- Welche hohen und niedrigen Bäume wachsen hier?
- Welche verschiedenen Sträucher, Kräuter, Gemüse, Bodendecker und Schlingpflanzen gibt es?
- Was sind ihre Wirkungen und ihr Nutzen für Mensch und Tier einerseits und für andere Pflanzen und Boden andererseits?
Vorort war es früher normalerweise üblich, das Wissen über bestimmte Pflanzen nur im eigenen Volksstamm weiter zu geben. Die Weitergabe an die nächste Generation findet leider nicht mehr statt. Ziel unserer lokalen Mini-Enzyklopädie ist es, das Wissen über Pflanzen festzuhalten, damit diese wertgeschätzt und bewusst weiter angebaut und nicht abgeholzt werden. Auch sollen deren Wirkweisen und Nutzen als Nahrungsmittel, Medikation oder natürlicher Dünger und natürliches Pestizid nicht verloren gehen.
Highlight Moringa: Vom Dreckwasser zum Trinkwasser
Die Samen des einheimischen Moringabaumes haben die seltene Fähigkeit, sowohl feinstoffliche Teile (Salze, Metalle), aber auch Kolibakterien und Viren zu binden. Schmutziges Wasser kann mit Hilfe dieser Samen zu Trinkwasser aufbereitet werden. Wir überprüfen dies mit einem gemeinsamen Wassertest. Jemand rührt eine extrabraune Brühe an, sodass wir für unseren Wassertest länger als die angegebenen 2 Std. benötigen. Doch am nächsten Tag ist das abgeschöpfte Wasser klar und trinkbar.
Nach dem Training sind beinahe alle DMM-Leiter bereit, eigene Trainingsgruppen in ihren Gebieten zu starten, manche haben bereits damit angefangen. Das wichtigste Ergebnis des Trainings ist allerdings, dass Teilnehmende aus Marsabit selbst die Themen FMNR, Wasser-, Boden- und Pflanzenmanagement auch innerhalb der Regierung bekannt machen und vorantreiben wolle.
Einmal im Monat wollen sie sich treffen, um auszutauschen, sich gegenseitig auf den Feldern zu kleinen Exkursionen einzuladen, um zu beratschlagen, zu planen, Dinge zu ändern, Anbauweisen anzupassen, FMNR zu üben, Neues auszuprobieren etc. Einer der Scheikhs bekennt: „Iris, ich habe es verstanden: Unser Land hätte keine Trockenheit, wäre die Trockenheit nicht in unseren Köpfen.“
Ein anderer Scheikh verspricht mir zum Ende des Trainings: „Wenn Du nächstes Jahr wieder kommst, wirst du ein verändertes Marsabit vorfinden. Wir haben viel gelernt und verstanden. Und wir haben auch verstanden, dass Veränderung nur gemeinsam möglich ist. Aber wir werden es umsetzen. Du kannst Dich darauf verlassen.“
Noch am gleichen Abend formiert sich das Marsabit-Team aus diesjährigen Teilnehmenden: entschlossen, sich und ihre Umgebung zu verändern. Und ich, … ich bin gespannt auf nächstes Jahr.
„Dann wird der HERR dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser nicht versiegt.“ – Jesaja 58,11